Frühlingsfest – ein Familienfest auf Chinesisch

 

Einmal jährlich – zum Frühlingsfest – herrscht in ganz China Ausnahmezustand: jeder, dem es irgendwie möglich ist, fährt zu seiner Familie nach Hause. Im ganzen Land wird die Arbeit größtenteils niedergelegt. Neben der Heimreise stehen dann auch noch zahlreiche Besuche bei Verwandten und Einladungen an, sodass eine Atmosphäre der Gastfreundlichkeit allgegenwärtig ist.

Das chinesische Neujahr fällt jedes Jahr auf den Neumond zwischen dem 21. Januar und 21. Februar. Während es heute offiziell nur noch 3 freie Tage gibt, sind es traditionell 15 Feiertage, wobei der 15. Tag mit dem Laternenfest den Abschluss der Feierlichkeiten darstellt.

Die meisten Chinesen nehmen sich ca. eine Woche frei. Diejenigen, die ihr Restaurant oder ähnliches offen halten, machen dies durch erhöhte Preise bemerkbar.

Bereits einige Zeit vor dem Frühlingsfest beginnen die Vorbereitungen: Familien putzen ihre Häuser, jeder der kann, kehrt so früh wie möglich nach Hause zurück und die gesamte Stadt wird festlich geschmückt. Auch in den Supermärkten werden bereits verstärkt die Zutaten des Festessens eingekauft, sodass hier Schlange stehen angesagt ist.

Dass der Schmuck rot ist, geht auf die Legende des menschenfressenden „Jahresmonsters“ zurück. Dieses erwache jedes Jahr zum Neujahrsfest und komme aus den Bergen bzw. dem Meer, um sich an den Menschen satt zu essen. Die Menschen begannen, sich mit Lärm, Feuer und der Farbe Rot zur Wehr zu setzen. So wird natürlich auch klar, weshalb rund um das Neujahrsfest bekanntermaßen ein erhöhter Lärmpegel herrscht. Der Hauptteil des Feuerwerks beginnt ab 23 Uhr am Neujahrsabend und dauert bis in den nächsten Tag hinein an. In einigen Städten ist dies jedoch aus Brandschutzgründen komplett untersagt – was nach den Erlebnissen mit den in China zugelassenen Knallern und Raketen auch verständlicher wird.

Spätestens am Neujahrsabend kommt dann die gesamte Familie zum Festmahl zusammen. In Südchina werden Hühnchen und Fisch gegessen, während in Nordchina die ravioliartigen Jiaozi vorbereitet werden. Die Kinder erhalten Geld in roten Umschlägen, den hongbaos (红包). Zur Jahreswende verlassen dann alle Familien ihre Häuser und kehren im neuen Jahr zurück, um – begleitet durch Fenster öffnen – das Glück ins Haus zu lassen.

Wie auch bei uns an Weihnachten, entwickelt in China jede Familie mit der Zeit ihre eigenen Traditionen. Beliebt ist z.B. auch, das Neujahrsprogramm im Fernsehen anzuschauen. Weit verbreitet sind Bräuche und Weisheiten über einige glück- und unglückbringende Dinge. So soll Beispielsweise das Glück durch ein in der Nacht brennendes Licht ins Haus gelockt werden. So viel Rot wie möglich heißt die Devise, während Schwarz und Weiß als Unglücks- und Beerdigungsfarben gemieden werden.

Wer die Chance hat, das Frühlingsfest in China – oder besser noch in einer chinesischen Familie – zu verbringen, wird es definitiv nicht bereuen. Zwar ist das komplette öffentliche Transportsystem durch den Strom der Arbeiter nach Hause ausgelastet, wenn nicht schon eher überlastet. Es wird jedoch alles dafür getan, dass jeder so schnell wie möglich ans Ziel kommt. Entlohnt wird man dann durch schöne Dekorationen und gastfreundliche Menschen, die sich immer und überall ein Frohes neues Jahr wünschen. Und so hieß es dann sehr oft: 新年快乐! (xinniankuaile)