Es ist wieder soweit, Baumhaus bittet zur Summer School. Auch dieses Jahr findet unsere vierwöchige Ferienschule statt, in der wir unsere Streetkids bestmöglich unterstützen wollen. Dieses Jahr gibt es sogar zwei Klassen und fast 40 Schüler die unsere Schule besuchen. Die Idee der Summer School ist einfach: Chinesisch lernen! Da unsere Streetkids der Minderheit  Lisu angehören, sprechen sie meistens auch nur die Sprache der Lisu. Die Menschen aus den Slums leben sehr isoliert, dadurch gebrauchen sie so gut wie gar nicht die chinesische Sprache. Unsere Streetkids werden aber in Schulen eingeschult in den der Unterricht auf Chinesisch gehalten wird. Um dieser Problematik entgegen zu wirken, riefen wir letztes Jahr die Summer School ins Leben.
Da wir Kinder haben die schon zur Schule gehen und Kinder haben die dieses Jahr eingeschult werden könnten, unterteilten wir sie in zwei Klassen: die Fortgeschrittenen und die Anfänger. Das Ziel der fortgeschrittenen Klasse ist es, das Chinesisch in allen Bereichen zu verbessern. Also steht auf dem Stundenplan neben dem gesprochenen Chinesisch auch Schriftzeichen.[smooth=id:39;][smooth=id:39;][smooth=id:39;]
Für die Anfänger haben wir mit dem Chinesischbuch der 1.Klasse angefangen. Neben Aussprache und Schriftzeichen lernen die Kinder hauptsächlich die Lautschrift Pinyin.

Aber nicht nur Chinesisch wollen wir unterrichten, sondern auch Mathe, Kunst und Moral Education. In dem letzten genannten Fach werden den Kinder Manieren beigebracht. Wir haben uns vorgenommen in der Moral Education-Stunde regelmäßige Hygienebelehrungen durchzuführen. Dazu gehört, dass man sich regelmäßig die Zähne putzen soll. In der Summer School putzen wir jeden Morgen und nach dem Mittagessen gemeinsam die Zähne.

Des Weiteren waschen wir einmal die Woche die Haare und die Kleidung zusammen. In der Woche vor der Summer School liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren, blicken wir zurück:

Als erstes fragten wir an der Xiao Sha Ba Wan Xiao (Grundschule in Xiao Sha Ba) ob wir die Räumlichkeiten nutzen könnten. An dieser Schule sind die meisten unserer Kinder. Der Schulleiter der Schule unterstützte unser Vorhaben, da es ihm, genauso wie uns, am Herzen liegt, dass die Kinder besser Chinesisch sprechen können. So war der Ort der Summer School schon einmal geklärt.
Da unser Chinesisch von uns Freiwilligen nicht ausreicht um jemanden zu unterrichten, kontaktierten wir alle möglichen Freunde die wir im letzten Jahr gefunden haben und baten diese um Hilfe. Dabei trafen wir auf große Hilfsbereitschaft und Unterstützung. Die letzte Hürde, die wir vor der Summer School meistern mussten, war das Mittagessen. Unterricht ist jeden Tag von 8 Uhr bis 14.30 Uhr. Normalerweise kriegt ein Großteil der Kinder in der Schule Mittagessen oder geht nachhause in der Mittagspause. Da wir gerne die Familien in den Slums entlasten wollten, kam die Idee auf, dass wir Freiwillige für die Kinder kochen. Doch das war leider logistisch nicht möglich. Also suchten wir in der Nähe der Schule nach geeigneten Restaurants, die für uns kochen könnten. Und ausgerechnet das nobelste Restaurant in der Gegend machte uns das beste Angebot, dass wir sofort annahmen.

Die Vorbereitungen waren damit abgeschlossen! Die Summer School konnte beginnen.

Am ersten Tag holten wir die Kinder aus den verschiedenen Slums ab und fuhren, wenn es nötig war mit dem Bus zur Schule. Viele Kinder haben sich extra für die Schule schick gemacht, einige kamen sogar mit Federmäppchen und Schulranzen. Die Aufregung war zu spüren, nicht nur die Schüler, auch die Freiwilligen waren nervös. Wird alles funktionieren? Haben wir genug Lehrer? Kriegen wir wirklich Essen?

An der Schule angekommen, erwarteten uns etwa fünf Familien aus anderen Slums Liukus. Da wir dieses  Jahr gewisse Kapazitäten haben, die zu diesem Zeitpunkt schon ausgeschöpft waren, konnten wir denen Familien leider nicht helfen. Mit den erhaltenen Kontaktdaten, werden wir nächstes Jahr die Slums begutachten und werden ihnen erst nächstes Jahr helfen können.
Als aller erstes haben wir für unsere Streetkids Namensschilder gefertigt. Nachdem wir ihnen die Grundregeln und den Sinn der Summer School erklärt haben, ging es an die erste Hygienebelehrung, das Zähneputzen. Dazu erklärte der Lehrer genau wie man sich die Zähne putzen soll. Durch eine Spende einer Zahnärztin hatten wir in vergangenen Monaten 200 Kinderzahnbürsten bekommen. Die Kinder, die keine Zahnbürste hatten, bekamen von uns eine.

In zwei Slums haben wir schon Hygieneaktionen gemacht, doch ob die Kinder wirklich regelmäßig Zähne putzen können wir kontrollieren. In der Summer School wird regelmäßig Zähne geputzt, morgens und nach dem Mittagessen. Bei den Kindern mussten wir von die einfachsten Hygieneregeln erklären, z.B. wie man sich die Hände wäscht und das vor allem nach jedem Toilettengang. Außerdem haben wir erklärt, wie man richtig und ohne große Sauerei ein Klo benutzen sollte.

Dann wurde die Gruppe aufgeteilt. Die hoffentlich-bald-1.Klässler und die bald-2.Klässler in jeweils eine Klasse. Nach den ersten kürzeren Unterrichtseinheiten war auch schon Mittag und die fast 40 hungrigen Kindermäuler wollten gefüllt werden. Auf ging es zum Restaurant und das in Zweierreihe und im Gleichschritt.

Als wir auf das Gelände des Restaurants abbogen wurden die gerade noch lauthalsschreiende Kinder leiser. Die Bedienungen begrüßten uns und führten uns zu unseren Tischen. Den Kindern sah man die Verwunderung in ihren Gesichtern an. Die Augen wurden größer und Kinnladen fielen herunter. Als sie alle Platz nahmen und jeder Tische eine eigene Bedienung hatte, die jedem Kind das Schälchen mit Reis füllte, kamen die Kinder aus dem Staunen nicht mehr raus und vergaßen fast das Essen.

Der kleinste war der erste, der verstand, dass man sich hier satt essen konnte und so schaufelte er sich den Reis nur so in seinen hungrigen Magen. Erst nach einiger Zeit tauten die anderen auf und zogen dem kleinstem nach. Auf dem Rückweg zur Schule waren alle satt und glücklich und hielten sich ihre Bäuche.

In den nächsten Tagen der Summer School lernten die 1.Klässler das „Bo, po, mo, fo“; der Anfang, um die chinesische Sprache zu lernen. Die 2.Klässler begannen direkt mit dem gesprochenem Chinesisch und lernten zu Beginn direkt ein chinesisch Lied. In Kunst konnten die Kinder ihre Kreativität ausleben. In Mathe wurden erst einmal die Zahlen auf Chinesisch beigebracht, bei den Großen gab es direkt Textaufgaben.
Von Tag zu Tag wurde unsere Summer School besser. Die Kinder haben sich an unsere Regeln und Forderungen gewöhnt. Wenn es auf zum Mittagessen geht, verstehen sie, das wir in Zweierreihen dort hingehen und die Bälle für die Pause gibt es nur wenn man höflich fragt. Neben dem ganzen Fachwissen, wollen wir auch die Sozialkompetenzen der Kinder fördern und ihnen Höflichkeit und Manieren beibringen.


Nun haben wir die Hälfte der Summer School schon hinter uns und es macht immer noch sehr viel Spaß dort zu arbeiten. Es gibt wohl keine schönere Bezahlung für die Arbeit als ein süßes Kinderlächeln.

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