Diesen Sommer fand die vierte Summerschool statt:
Interview mit Nelly Kewitz, Hauptverantwortliche der Summerschool

Was ist Ihr Eindruck der diesjährigen Summerschool?

Ein sehr guter. Insgesamt war es eine schöne Zeit, es ist alles gut gelaufen.
Es war ein Ort, wo Schüler und Lehrer etwas lernen konnten, und auch ein Ort der interkulturellen Begegnung. Es kamen junge Menschen, zwischen 6 und 25 Jahren, aus verschiedenen Lebensumständen zusammen.

Das hört sich nach einer Menge Verantwortung an, was für Ängste hatten Sie denn vor der Summerschool?

Ich muss ehrlich sagen, ich hatte Angst, dass die Chinesen aus den Universitäten in Kunming und Baoshan, die wir dieses Jahr als Lehrer engagiert haben, nicht kommen, schockiert sind, vorzeitig wieder abreisen, mit den Kindern nicht klarkommen oder bestürzt sind, dass sie zum Beispiel keine Computer haben in den Klassenzimmern. Und natürlich eben auch, dass die Kinder überhaupt nicht kommen oder die Schule uns die Räume verweigert oder das Restaurant kein Mittagessen für uns zubereitet.

Wie schläft man denn in der letzten Nacht?

In der letzten Nacht habe ich gut geschlafen, da waren die chinesischen Lehrer ja schon da, aber die Nacht bevor diese angekommen sind habe ich nicht gut geschlafen.

Was für Neuerungen im Vergleich zu den letzten Jahren gab es?

Dieses Jahr konnten wir Studenten dafür begeistern, einen ganzen Monat, also die gesamte Dauer der Summerschool, nach Liuku zu kommen.
In den letzten Jahren waren es Freunde und Schüler, die zwar vereinzelt auch 4 Wochen, aber manchmal nur einen Tag geholfen haben. Die Organisation der vierten Summerschool ging dadurch besser und es entstand eine Routine, durch die der Alltag für alle entspannter wurde. Außerdem entstand so Zeit und Raum zum Spielen und unbeschwertem Umgang mit den Kindern.
Drei Studenten aus Peking wollten auch gerne kommen und haben mit unseren ältesten, der dritten Klasse, neben verschiedenen Unterrichtsfächern, auch etwas über Erste Hilfe gelehrt, mit Ihnen über mögliche Berufe gesprochen sowie einen kleinen Gesangswettbewerb organisiert. Damit sollen die Kinder nicht nur auf die Schule sondern auf die Zukunft, aufs Leben, vorbereitet werden. Schüler wurden nur als Praktikanten eingesetzt, die die Studenten bei Ihrem Unterricht begleitet haben, oder auf Wunsch auch Stunden übernehmen konnten.

Stand die Summerschool dieses Jahr unter höherem Druck, bezüglich der Entwicklungen im Nujiang-Tal? [Das Nujiang Tal wird im Gegensatz zu diesem Jahr nicht mit 16 Freiwilligen sondern nur mit höchstens 4 Freiwilligen besetzt]

Nein würde ich nicht sagen. Ich würde viel eher sagen, dass wir darauf hinarbeiten mehr mit Chinesen zusammen zu arbeiten. Wir hoffen, dass die Summerschool nächstes Jahr wieder stattfinden kann.
Die chinesischen Freiwilligen aus den regionalen Universitäten sind motiviert und haben sich schon nach der Summerschool 2016 erkundigt. Es gibt also Hoffnung, dass das Slumkids Projekt nicht nur weiterhin existieren wird sondern sich weiter verbessern wird.

Warum ist die Summerschool denn so wichtig?

Die Kinder erhalten keine Förderung Zuhause, da ihre Eltern zum Teil selber nicht zur Schule gegangen sind. Die Summerschool ist Nachhilfe und Förderung in einem. Sie bietet die Möglichkeit Lücken auszugleichen und Wissen zu festigen, so dass die Kinder weniger Probleme in der Schule haben und dieser möglichst lange folgen können.
Dieses Jahr konnten wir einigen Schülern auch Einzelunterricht geben, um sie möglichst gut zu fördern oder ihnen zu helfen. Am besten wäre natürlich aber ein wöchentliches Nachhilfeprogramm.
Dies konnten wir leider nicht erreichen wegen einem Mangel an Freiwilligen vor Ort, denn eine Universität gibt es hier nicht, und die Schüler habe mit der Schule und alle anderen mit ihrer Arbeit viel zu tun.

Was für Probleme gab es?

Das Wetter war nicht so gut, es gab viel Regen, deshalb konnte auch der Gang zum Mittagessen Probleme bereiten, da die Kinder keine Regensachen hatten. Aber auch hierfür fanden wir eine Lösung, damit die Kinder nicht krank werden. Es wurden dünne Schaumstoffplatten, die eigentlich als Unterlage für den Mittagsschlaf dienten, unter den Kindern aufgeteilt, die dann mit diesem über dem Kopf trocken durch den Regen marschieren konnten.
Auch die Drittklässler, die jetzt in die vierte Klasse kommen, stellten uns in der Mittagspause vor eine Herausforderung. Es sollte eine Zeit der Ruhe sein, da die Anwohner auch eine Mittagspause beanspruchen, und dementsprechend nur Stillarbeit stattfinden sollte. Aber wie begeistert man schon viel zu coole Drittklässler über vier Wochen für Malen oder Lesen? Schließlich fand aber jeder eine Art der Beschäftigung. Hier waren die Chinesen auch von großer Hilfe.
Auch könnte man die Kommunikation zwischen uns und den chinesischen Freiwilligen manchmal als Herausforderung sehen. Ihr Englisch ist nicht so gut, und unser Chinesisch ist auch nicht besser. Doch wir haben uns sehr gut verstanden und nicht nur verschiedene Sprachen voneinander gelernt.

Welche Veränderungen hätten Sie sich gewünscht für die Summerschool?

Es wäre toll, wenn alle Kinder und Betreuer in der Schule schlafen würden, so könnte man dann mehr Freizeitaktivitäten machen. Auch würde den Kindern die lange Anfahrt jeden Morgen erspart bleiben.
Ich stelle mir Workshops vor, in denen Kinder an verschiedene Dinge heran geführt werden könnten, oder, dass Gruppenspiele wie eine Schnitzeljagd organisiert werden. Luxus wie im Ferienlager. Auch könnte die Förderung der einzelnen Kinder noch besser organisiert werden. Für mehr Einzelunterricht bräuchten wir aber auch mehr Klassenzimmer, als wir dieses Jahr von der Grundschule zur Verfügung gestellt bekommen haben.

Was war ihre größte Überraschung während der Summerschool?

Es gab eigentlich zwei!
Einmal hat es mich richtig gefreut, dass die Chinesen alle Sachen so gut angenommen haben und ihre Aufgaben sehr gut erfüllt haben. Eigentlich waren sie nur zum Unterrichten da, doch haben sie uns hervorragend bei der Organisation geholfen. Sie haben alle unsere Anliegen und Ideen verstanden und gut umgesetzt sowie neue eingebracht.
Das Zweite war, dass die Drittklässler eigentlich nur zwei Wochen kommen sollten, da sie schon in der Winterschool eine Woche Nachhilfe erhalten haben, um noch ein bisschen länger ihre Ferien genießen zu können. Zu unserer großen Freunde, sind aber fast alle einfach weiter gekommen, und haben nach weiterem Unterricht regelrecht verlangt!

Jetzt da die Summerschool vorbei ist, was fühlen Sie? (In drei Worten)

So schnell vorbei!

Unser Dank gilt den chinesischen und deutschen Freiwilligen, die aus ganz China angereist sind um uns zu helfen, und den Spendern für das Slumkidsprojekt.
Natürlich auch den Paten der Slumkids, die teilweise schon seit Jahren, diese 38 Wunder unterstützen und ihnen somit einen Weg in eine bessere Zukunft bereiten.

Nelly Kewitz ist ein Jahr lang Freiwillige an der Lushui Yizhong , Gruppenleiterin in Liuku und Mutter für jegliche Sorgen der Gruppe gewesen.
Sie wird die nächsten 3 Monate die Freiwilligen in Yunnan, in das Leben in China und die Projektarbeit einführen.

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