Unsere Gegensätzliche Meinung der Religion in Ghana gegenüber Religion spielt in Ghana eine sehr große Rolle. Wir wollen euch einen Einblick in unseren Gedanken zu diesem Thema geben. Dass die, vorallem im Süden des Landes vorzufindenen Christen sehr vielzählig sind, sieht man unentwegt an den tausenden Kirchen, an jeder Straßenecke, den vielen Priestern die während der Tro Tro Fahrt und auch an der Straße predigen und den „Jesus“-Rufen, die man immer mal wieder hört. Mehr als 70% der Bevölkerung glauben an den christlichen Gott, etwa 18% geben an Muslime zu sein, und der Rest ist entweder Atheist oder glaubt an die traditionellen Religionen, wobei auch viele Christen und Muslime daran glauben. Da sich diese allgegenwertige Religion sehr unterschiedlich auf uns beide (Rafael und Lisa) ausgewirkt hat, wollten wir hiermit mal einen Einblick in unsere gegensätzliche Meinung dazu geben.

1. Meinung

In der Schule wird vor dem Essen gebetet, jeden Mittwoch findet „Worship“ statt, und in der Kinderkrippe werden Lieder über Gott gesungen. Ständig hört man Kirchengesänge und Priester, die einem Gottes Worte näher bringen wollen. Die Religion scheint hier allgegenwärtig zu sein. Und ich glaube auch, dass es den Menschen teilweise sehr viel Trost spenden kann und Hoffung schafft, was natürlich super sein kann. Ich würde auch garnicht unbedingt sagen, dass sich meine Meinung zu Gott durch das Jahr verändert hat, meine Meinung zu der Kirche und Religion jedoch schon. Den Einfluss der Kirche und „Gottes Worten“ merkt man hier sehr stark. Für viele ist es sehr überraschend, wenn mal jemand sagt, dass er nicht an Gott glaubt und meist kommt dann als nächste Frage, ob man denn wenigstens an die Bibel glaubt. Wenn man dies dann auch beneint, kann man sich meist auf eine lange Diskussion gefasst machen, in der man doch irgendwie vom Glauben überzeugt werden soll.

Priester ist hier ein gut bezahlter und angesehener Job. Besucht man die Kirche, sollte man auch nicht vergessen etwas Geld mitzunehmen, das man natürlich durch die unzähligen Spendenaufrufe leicht loswird. Homophobie ist hier auch sehr stark verbreitet, was dann meist durch Gott und die verschiedenen Interpretationen der Bibel, die man sich natürlich zurecht legen kann, begründet wird.

Da den Kindern meist von klein auf dieser extreme Glaube in der Schule und im Elternhaus beigebracht wird, ist es ganz verständlich, dass man dann auch später nicht ganz nachvollziehen kann, wieso manche Menschen nicht an Gott glauben. Jedoch gibt es auch hier ein paar Menschen die nicht denken, dass Homosexualität schlecht ist, da Gott ja Mann und Frau erschaffen hat und nicht nur Männer oder nur Frauen, sondern eher daran glauben, dass man die Menschen so akzeptieren und lieben sollte wie sie sind, da es in der Bibel ja auch um Nächstenliebe geht.

Meinung 2

Super freundliche Menschen, die einem zu jeder Zeit den Weg zeigen. Niemand ist ein Mensch zweiter Klasse und die Toleranz gegenüber anderen Religionen ist durchaus sehr groß. Für mich sind alle diese Indikatoren ein Ergebnis der Religionen in Ghana.

Hier wird Religion zumindest sehr stark so gelebt, wie ich es mir immer gewünscht habe. Religion, egal ob Christentum oder Islam ist für mich Friedensstifter und so wird sie hier auch gelebt, anders als meinetwegen in der Zentralafrikanischen Republik, wo sich die beiden Religionen bekämpfen. Religion ist cool. So wie man das meinetwegen auch vom Islam in Deutschland kennt, ist jeder involviert und so ist trotz der großen Anzahl an Kirchen rundherum, doch jede voll und jede Altersgruppe vertreten. Zudem sind Gottesdienste nicht so stinklangweilig, sondern es wird getanzt, gesungen und einfach Spaß gehabt. Das Christentum Ghanas ist doch sehr stark durch di traditionellen Religionen beeinflusst. So sind doch manche Praktiken auch nach einem Jahr immer noch gewöhnungsbedürftig, wie zum Beispiel die unendliche Lautstärke der verwendeten Lautsprecher, damit auch jeder vorbeikommende Passant alles mitbekommt oder das Austreiben von Dämonen.

Für mich persönlich hat Religion einen sehr großen Stellenwert in meinem Leben bekommen. So stellte sich ein Großteil meines Freundeskreises aus den Mitgliedern meines Gebetskreises zusammen, mit denen ich auch Anfang August auf Mission fuhr. Allerdings hat man auch ohne diese Bezugsgruppe immer und überall mit Religion zu tun. Hier wird zur Eröffnung eines Schultages zusammen gebetet und dort gibt es Bibelverse als Namensgeber oder Glücksbringer. Ich habe in meinem Jahr viel gelernt, nicht nur was die Bibel und die Geschichten von Jesus Christus angehen, sondern auch über Nächstenliebe, das Teilen oder Toleranz, was in einigen, sogar als christlich bezeichneten Organisationen in Deutschland, doch etwas zu kurz kommt.

Alles in allem ist Religion in Ghana sehr bedeutend und auch aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Viele Dinge, wie eine Modernisierung der Kirchen in Deutschland mit Schlagzeug, Keyboard oder überhaupt Mikrofon sind für mich Dinge, die ich nach meinem Ghanaaufenthalt als wichtige Projekte ansehe, um hoffentlich dem Christenschwund der letzten Jahre etwas entgegenwirken zu können. Am Ende möchte ich noch ein Bibelzitat geben, dass mich sehr nachdenklich gemacht hat und ein wenig an die Wertschätzung unseres Schöpfers appellieren soll: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes Reich kommt.“ (Matthäus 19:24)