Slumkids

Wer heutzutage über China redet, hat meist das Bild prosperierender Millionenstädte mit immer reicher werdenden Bewohnern im Kopf. Einer ganz anderen Seite dieses riesigen Landes begegnen die Freiwilligen in Liuku täglich im Slumkids-Projekt.

Slumkid

Ein Mädchen wühlt im Müll

Warum gibt es diese Kinder, die in Slums leben und sich vom Müllsammeln ernähren? Die Antwort auf diese Frage liegt in ihrem Herkunftsgebiet begründet: den steilen und unfruchtbaren Bergen des Fugong-Countys nördlich von Liuku. Hier (wie auch in Liuku) leben vor allem Mitglieder der Lisu-Minderheit, die sich durch ihre eigene Sprache und Kultur von den Han-Chinesen unterscheiden.

Vor 15 Jahren stand genau an diesem Fleck Erde sein Zuhause. Es war das erste Mal, dass er wieder zurück gekommen ist. Viel ist leider nicht mehr übrig geblieben von damals, Familie und Freunde sind weggezogen und sonst hält sie nichts lange dort.

In Folge der politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen in der Vergangenheit Chinas sahen sich viele Lisu dazu gezwungen Ackerbau zu betreiben. Da ihre Heimat keine ausreichende Lebensgrundlage bot, zogen viele Lisu-Familien weg aus ihrer Heimat. Sie gingen in nahe gelegene Städte wie Mangkuang, nach Liuku oder sogar nach Myanmar wovon sie vor kurzem auf Grund des Bürgerkrieges flohen.

In Liuku angekommen wurden die traditionell in Dorfgemeinschaften organisierten Familien an den Rand der Gesellschaft gedrängt und leben nun sehr häufig illegal auf gepachtetem Land in der stetigen Gefahr vertrieben zu werden. Da viele dieser Familien kein Chinesisch sondern nur Lisu sprechen, müssen sie Müll und Plastikflaschen sammeln, um diese dann weiter zu verkaufen, arbeiten als Moto-Fahrer oder  bei der Müllabfuhr. Die Kinder helfen von klein auf beim Flaschen sammeln oder passen auf ihre vielen Geschwister auf. Für Schulbildung bleibt da wenig Zeit und ihre Zukunft bewegt sich zwangsläufig auf ein Leben in Armut zu.

wir vorm slum

Als vor fünf Jahren die erste Generation Freiwilliger nach Nujiang kam, war die Existenz dieser Problematik zunächst gar nicht bekannt. Erst in der Generation 2011/2012 gelang es, einen richtigen Kontakt zu den Slumbewohnern aufzubauen, da diese versteckt leben und ein Großteil der Bewohner Liukus keinerlei Kenntnis von oder Interesse an diesen Menschen hat.

Lisu-Familie und Fiona

Fiona, die Lisu

Nachdem eine Freundschaft und Vertrauensbasis zwischen den Familien und den Freiwilligen geschaffen war, gelang es, einige der Kinder im schulfähigen Alter einzuschulen, aus mehreren Familien und Slums insgesamt 21 Kinder.

Neben dem Betreuen der Schulkinder kümmern wir uns auch um Kranke, da es ihnen nur schwer möglich ist ein Krankenhaus zu besuchen ohne ausreichende Chinesisch Kenntnisse und teilweise fehlende Geburtsurkunden, Papiere oder Versicherungskarten.

Nach ihrem ersten Schulhalbjahr zeigen die Slumkids insgesamt Leistungen, die dem Klassendurchschnitt entsprechen. Fast alle Kinder haben Probleme mit Chinesisch, zeigen jedoch große Lernfortschritte und können die Sprache nun besser sprechen als ihre Eltern. Ein paar Schüler und Schülerinnen weisen trotz ihrer schwierigeren Ausgangssituation sehr großes Potential auf.

Unsere Vision ist es, den Kindern die gleichen Chancen auf Bildung zu ermöglichen wie gleichaltrigen Schülern Liukus. Durch den Besuch der Grundschule ist ein wichtiger Beitrag zur Integration der Slumkids in die Gesellschaft getan und wenn auch nur eines der Kinder die Mittelschule besucht, wäre dies ein gewaltiger Erfolg. Nach dem Abschluss der Mittelschule sehen die Berufsaussichten bei weitem besser aus und wer es schafft, etwas anderes als Flaschensammler oder Müllmann zu werden, stellt eine sehr große Unterstützung für die Eltern, die Geschwister und den gesamten Slum dar.

Durch Bildung kann sich also eine Zukunft in Armut in eine Aussicht auf Sicherheit, Akzeptanz in der Gesellschaft und ein glücklicheres Leben wandeln.

Wenn Sie diese Idee unterstützen wollen, können Sie uns helfen, den Kindern die Schulgebühren, eine ausreichende Verpflegung und wenn nötig auch die medizinische Versorgung zu finanzieren. Werden Sie Pate und verändern Sie die Zukunft eines Kindes, das ohne Sie keine Chance auf Bildung hat.