Lucre / Oropesa

In der Region rund um diesen Standort und somit in unmittelbarer Nähe zur Inka-Hauptstadt Cusco liegen die Wurzeln des Baumhaus-Projekts in Peru. Bereits seit drei Jahren unterrichten Freiwillige in mittlerweile 11 Grund- und Gesamtschulen, die auf 8 Dörfern verteilt sind.
Oropesa und Lucre sind die Heimatorte der Freiwilligen. Obwohl sie nicht einmal 10 Minuten voneinander entfernt sind, unterscheiden sie sich sowohl in Wohlstand als auch in der sozialen Situation der Einwohner sehr voneinander. So versinnbildlichen Oropesa und Lucre quasi die große soziale und ökonomische Schere, die sich in Cusco und dessen Umfeld aufgetan hat und der man zwischen aber auch innerhalb der Orte immer wieder begegnet.
Oropesa ist eine relativ wohlhabendes Dorf mit großem touristischem Potenzial, das zur Zeit noch nicht ausgeschöpft wird. Dieses Potenzial und auch die Einzigartigkeit Oropesas liegt in der Tradition des Brotbackens begründet, unzählige Bäckereien prägen das Stadtbild und haben Oropesa den Titel „Ciudad National del Pan“ (Nationale Stadt des Brotes) eingebracht. Da sie ihr Brot nicht nur nach Cusco, sondern nach ganz Peru exportieren, sind viele Einwohner Oropesas gut situiert. Sie können es sich leisten ihre Kinder auf eine der privaten Grund-oder Gesamtschulen zu schicken oder ihr Haus nicht aus Lehm sondern aus Beton und Ziegelsteinen zu bauen.
Was für Oropesa das Brot ist, ist für Lucre die Fischzucht. Im deutlich einfacheren und ländlicheren Lucre gibt es viele Restaurants mit angeschlossenen Fischteichen in denen hauptsächlich Forellen herangezogen und anschließend verzehrt werden.
Neben Oropesa und Lucre gibt es noch viele weitere Dörfer oder Kleinstädte im Umkreis, die sich ebenfalls spezialisiert haben, sei es auf ein peruanisches Gericht oder alternative Heilkunst.
Doch so vielfältig die Region auch sein mag, das große Problem der Umwelt- und Wasserverschmutzung betrifft alle Dörfer. Durch die relativ hohe Einwohnerdichte und die stark frequentierte Hauptstraße, die hier die Landschaft durchschneidet, ist die Umweltbelastung deutlich zu hoch. Die berühmte Lagune von Lucre ist besonders stark betroffen und auch der Fluss, welcher Oropesa durchfließt, ist stark vermüllt und durch chemische Abfälle verseucht. Allerdings versucht die Municipalidad (Rathaus/Verwaltung), sowie private Umweltschutzorganisationen, mit Aufklärungsgesprächen und Informationstafeln auf das Problem aufmerksam zu machen und das Bewusstsein der Bevölkerung zu wecken.
Nur ein paar einsame Wanderstunden entfernt von den sehr belebten und gut angebundenen Dörfern liegt Patabamba. Es ist nur ein Beispiel von mehreren kleinen Dörfern, die eigentlich nicht weit von Cusco und den anderen Einsatzorten entfernt liegen, aber infrastrukturell so schlecht angebunden sind, dass die Einwohner klar benachteiligt und deutlich ärmer sind. In Patabamba unterrichten die Freiwilligen alle Schüler in der einzigen Klasse der Schule, in der nur sehr unregelmäßig Unterricht stattfindet. Der Bildungsstand und die Versorgung der Kinder ist hier signifikant schlechter als im nur zwei Stunden entfernten Tal und nur schleppend setzt eine Art sozialer und ökonomischer Aufschwung ein.
Die Moderne oder der „Westen“ sind aber im Großen und Ganzen in der Region angekommen, wenn auch nur langsam. Trotzdem bewahren sich die Einwohner ihre alten Inkatraditionen, sprechen auch fast alle noch Quechua und sind sehr stolz auf ihr Inka-Erbe, die Ruinen und Touristenmagneten, die davon übrig geblieben sind.

Ein Blick auf Oropesa...