Ein Baumhauspatenkind litt vor Kurzem an einer Blinddarmentzündung. Der abgemagerte, an starken Bauchschmerzen leidende Junge wurde von uns am 4. November ins öffentliche Krankenhaus von Liuku gebracht. PoYiHeng hatte wegen Erbrechen seit drei Tagen keine Nahrung zu sich nehmen können, war dementsprechend schwach und konnte nicht mal selbstständig aufrecht sitzen. Bereits kurz nach der Ankunft im Krankenhaus lautete die Diagnose: Blinddarmentzündung.

Nach mehreren für die Operation notwendigen Bluttests wurde der tapfere Grundschüler von seinem Vater in den Operationsraum getragen. Fast die ganze Familie war im Krankenhaus, mit bangenden Gesichtern beteten sie für die einzigen Sohn der 9-köpfigen Familie. Nach drei langen Stunden kam endlich die erlösende Nachricht: der Eingriff war erfolgreich verlaufen.

Die Krankenversicherung und die gesundheitliche Versorgung in China sind grundlegend anders als in Deutschland. Im Krankenhaus von Liuku müssen Patienten pauschal 1000 Yuan (etwa 125€) bezahlen, um überhaupt behandelt zu werden. Damit sind aber noch nicht Operationskosten oder Medikamente bezahlt. Insgesamt fielen für die Behandlung von PoYiHeng Kosten von über 8000 Yuan (1000€) an!

Glücklicherweise hatte Baumhaus durch den Erwerb einer Geburtsurkunde, die für die Einschulung notwendig war, den Jungen für einen solchen Vorfall abgesichert: für registrierte Chinesen trägt die Regierung nämlich in einer solchen Situation 75% der Behandlungskosten. Dadurch hat Baumhaus die Familie, für die der ursprüngliche Betrag unbezahlbar gewesen wäre, finanziell extrem entlasten können. Die Rechnung des Krankenhauses betrug schließlich nur 2080 Yuan, nach aktuellem Wechselkurs etwa 260€. Das Geld hat sich der Vater nun von befreundeten Familien geliehen.

PoYiHeng musste noch eine Woche im Krankenhaus ruhen, bevor die Wunde verheilt war und die Fäden gezogen wurden. Richtig gut ging es ihm noch immer nicht – der spindeldürre Junge musste weiterhin erbrechen und nahm daher nicht an Gewicht zu. Das Hauptproblem, den Blinddarm, hatten wir aber beseitigt, daher entschlossen wir uns, den Zustand des Jungen in den nächsten Tagen zunächst zu beobachten.

Als PoYiHeng am darauffolgenden Wochenende noch immer über Erbrechen und Bauchschmerzen klagte, benachrichtigten wir einen befreundeten Arzt, der uns für weitere medizinische Probleme in der Zukunft seine Hilfe angeboten hatte. Nach einer kurzen Untersuchung bekam der 14-jährige eine Akupunktur-Behandlung. Etwa 30 Minuten lag der Junge mit Nadeln im Bauch- und Kniebereich im Behandlungsraum. Schon am nächsten Morgen aß er wieder, war auf den Beinen und übte sogar schon wieder für die Schule!

Wir sind mit dem Ausgang der nicht ungefährlichen Situation sehr zufrieden und sind zuversichtlich, dass PoYiHeng schon bald wieder in den Schulalltag zurückkehren kann. Jedoch sieht man am Beispiel des Jungen, dass der Slum kein gesunder Lebensraum ist und besonders die Kinder unter den schlechten Bedingungen leiden und oft zu schwach sind, um mit den unzähligen Krankheitserregern fertig zu werden. Den armen Familien, die meist der Lisu-Minderheit angehören, fehlt leider ein grundlegendes Verständnis für Hygiene und das Vermeiden von Krankheiten. Den Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen ist unser Hauptziel, jedoch möchten wir ihnen auch ein gesundes Lebensumfeld bieten und sie bei Vorfällen in der Zukunft unterstützen.

Wir sind sehr dankbar für Ihr Mitgefühl und Ihre Bereitschaft, uns in unseren Vorhaben zu unterstützen! Spenden mit dem Verwendungszweck „Baumhaus medizinische Notfälle im Slum“ werden in Zukunft für solche Situationen genutzt werden. Die Bankdaten sind:

Peter Jochimsen Stiftung
Kontonr.: 1001630662
BLZ: 21050170
Fördesparkasse

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Bericht: Christoph Bamberg, Lennard Piggin