Verglichen mit dem deutschen Klima ist der Liukuler Winter schon ziemlich warm – immerhin befinden wir uns hier auf der Breite von Ägypten! In der Nacht und am frühen Morgen jedoch können die Temperaturen auch weit in die Tiefe sinken. Bedenkt man zusätzlich, dass Heizungen in diesen Breiten Chinas verboten und in den zugigen Holzhütten der Slums ohnehin undenkbar sind, so kann man sich die Situation der frierenden Slumkids lebhaft vorstellen. Bei 5°C fanden wir diese barfuß und viel zu dünn bekleidet – mit unter ohne Hose – vor. Da kam ein großes Paket aus Shanghai gerade sehr gelegen: Es enthielt einen großen Haufen Mützen, Schals und Handschuhe, die eine Freundin des Bruders einer Freiwilligen (Franzi) dankenswerterweise gespendet hatte! Bald machten wir uns damit auf den Weg zu den beiden größten Slums Xiao Sha Ba und Qing Shan Gong Yuan: Die Kinder waren begeistert und scharten sich in einer engen Traube um den Rucksack, aus dem die Mützen scheinbar unendlich hervorzukommen schienen. Stolz wurde das ergatterte Stück den Eltern und Großeltern vorgeführt; absetzen wollte es trotz strahlender Sonne niemand mehr. Das Bild von einem Dutzend Kindern mit leuchtend bunten Mützen, die vor einem überwiegend braunen Slumhintergrund munter durcheinanderwuseln, werden wir wohl noch lange in Erinnerung behalten!