Die morgendliche Kälte lag noch in der Stadt, als wir uns mit sieben Baumhaus-Freiwilligen und Agai, unserem Lisu-Übersetzer, am 18. November 2012 in Fu Gong trafen. Uns erwartete die erste Kleider-Aktion im Fu Gong County diesen Baumhaus-Jahrgangs.
Mit einem Minibus ging es in das Bergdorf Kan Di, in welchen drei Jahre zuvor schon einmal von Freiwilligen Kleider verteilt wurde. Ende Oktober hatten wir zu dritt eine Wanderung in das Dorf gemacht und waren uns sofort sicher gewesen, dass wir an dieser sehr armen Schule unbedingt eine Verteilung machen wollten. Die Kinder, die wir dort gesehen haben, hatten keine Schuhe, zerrissene Kleidung und ihr Zähne waren ganz braun. Von den Sammelaktionen aus Liuku bekamen wir nicht nur die nötigen Kleidungsstücke, sondern auch Zahnbürsten und Zahnpasta, sodass wir dieses Mal erstmals auch die Hygieneaktion in diesem Dorf starten konnten. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, haben wir uns auf den Weg gemacht.
Schon nach kurzer Zeit gab unser Minibusfahrer die Bergstraße auf und meinte, die Strecke sei zu gefährlich. Uns blieb nichts anderes, als auszusteigen und den Weg zu Fuß zurückzulegen. Zum Glück fanden wir jedoch einen anderen Fahrer, der wenigsten die ganzen Kleider, unseren Übersetzer und zwei der Freiwilligen mit nach oben nahm. Sie brauchten etwa eine Stunde und wurden herzlich von unserer Kontaktperson aufgenommen, er ist der beste Freund des Pfarrers und Vater eines ehemaligen Schüler einer Freiwilligen. Nach und nach trafen die übrigen Freiwilligen bei ihm ein und wurden von seiner Familie bekocht und dann zu der Grunschule gebracht. Es gibt nur zwei Klassenräumen und 32 Schüler, sie sind in den ersten uns zweiten Klassen. Die Älteren Schüler müssen den langen Schulweg bis nach La Jia Mu Di auf sich nehmen. Langsam fingen wir an, unsere Aktion auf dem Basketballplatz vor der Schule vorzubereiten, es saßen einige wenige Dorfbewohner auf den Treppen und beäugten uns neugierig. Irgendwann kam ein kleiner Junge, der uns einen der Räume aufschloss. Wir begannen dann, mit den Kindern, die schon da waren, zu spielen, dabei hatten nicht nur wir, sondern auch unsere Zuschauer großen Spaß und feuerten die Kleinen an. Eine gewisse Unsicherheit machte sich unter uns Freiwilligen breit, denn keiner wusste, wann unsere Aktion beginnen sollte und wie die Kinder davon erfuhren. Doch nach einigen Spielen kamen über einen kleinen Pfad die ganzen Dorfbewohner auf den Platz, der Gottesdienst war zu Ende. Zuerst kamen die Frauen in ihren traditionellen Trachten, mit den Kindern an den Händen, ihnen folgten die Männer. Es war ein wundervoller Anblick, wie sie sich alle näherten und uns freudig begrüßten.
Dank unseres Übersetzers konnten wir uns und unsere Projekte dann vorstellen und begannen sogleich mit dem Hygieneschaupiel, bei dem der böse Karies von den schmerzenden Zähnen durch die gute Zahnbürste verscheucht wird. Die Eltern und Großeltern hatten sichtlich Spaß, insbesondere als wir uns dann den Kindern zuwanden. Jedes von ihnen hat eine Zahnbürste bekommen, dann setzen sie sich in der Indohocke vor zwei Freiwillige, die ihnen zeigten, wie man sich die Zähne putzt. Viele der Kinder sabberten, einige putzen ihr völlig braunen Zähne vermutlich das erste Mal in ihrem Leben und es blutete schrecklich. Jedes Kind durfte dann seinen Zahnputzbecher und die Zahnbürste behalten, jeweils ein Geschwisterpaar bekam eine Tube Zahnpasta. Die Kinder leben Zuhause und können sich so die Zähne nicht gemeinsam in der Schule putzen. Dort gab es auch kein Wasser, doch das hatten wir in Flaschen mitgebracht. Nach dieser für viele etwas schmerzhaften, doch auch aufregenden Aktion begann die Kleiderverteilung. Während Max und Marie draußen auf dem Hof mit den Kindern spielten und das ganze Dorf eine riesige Freude dabei hatte, verteilten die anderen Freiwilligen jeweils zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen, ein Oberteil und eine Hose oder einen Rock. Wenn wir etwas passendes gefunden haben, wurden die Kinder immer gefragt, ob es ihnen gefällt und wurden dann mit ihrem neuen Outfit fotografiert, viele haben sich sofort umgezogen. Auch warme Socken waren sehr begehrt, da es hier oben auf den Bergen im Winter auch mal schneit. Hatten die Kinder ihre Kleidung, haben wir ihnen einen Stern auf die Hand gemalt, sodass auch keiner doppelt bekam. Als alle Kinder etwas bekommen hatten, wurde an einige Mütter mit Kleinkindern noch Babykleidung gegeben. Verteilt haben wir an insgeamt 41 Kinder, doch lernten wir während der Aktion noch einen der beiden sehr jungen Lehrer kennen. Er erklärte uns, dass einige Schüler nicht kommen konnten und bat uns, die wenige Kleidung, die wir noch übrigen hatten, für sie da zu lassen. Wir hatten jeweils fünfzig Ober- und Unterteile mitgenommen und so folgten wir seiner Bitte. Nachdem wir noch ein gemeinsames Gruppenbild vor der Schule gemacht haben, machten wir uns glücklich wieder auf den Heimweg zurück ins Tal.
In zwei bis drei Monaten werden wir in das Dorf zurückkehren und neue Zahnpasta und Zahnbürsten bringen und uns würde es freuen, wenn nächstes Jahr wieder eine Verteilung in Kan Di stattfinden könnte.