Jinggangshan im Südosten Chinas. Es ist Ende April. Die Sonne steht hoch am wolkenlosen Himmel, als sich sechs der Baumhaus-Freiwilligen zum Flaggenmast ihrer Schule begeben. Unter ihrem Arm haben sie eine Musikbox und auf den Lippen ein Lächeln.

Die Idee: Von der neunten Klasse an sind die Schüler von 7.00 Uhr bis 21.00 Uhr in der Schule. Fünf Unterrichtsstunden am Vormittag, zwei Stunden Pause, vier Unterrichtsstunden am Nachmittag, wieder zwei Stunden Pause und dann noch drei Unterrichtsstunden am Abend. Um 21.10 Uhr sind sie auf ihren Zimmern der Schulunterkunft und lernen, machen Hausaufgaben bis Mitternacht. Sechs Stunden später klopft ein Mann an ihre Tür, weckt die Schüler mit einer Trillerpfeife. Auch am Wochenende.
Die Klassenräume sind mit 50 bis 80 Schülern hemmungslos überfüllt. Der Unterricht wird stur in Form eines Lehrervortrags durchgezogen. Auf das Individuum wird keine Rücksicht genommen. Am Ende eines jeden Monats werden zwei Tage lang Examen geschrieben.
Die Schüler stehen dauerhaft unter enormen Druck von Seiten der Eltern, der Lehrer und der Gesellschaft. Zeit um den Druck abzulassen haben sie kaum und wenn sie gut in der Schule sein wollen gar nicht.
Da kommen wir Freiwilligen ins Spiel. Auch außerhalb unseres Unterrichts wollten wir den Schülerinnen und Schülern der 井冈山 中学 Jinggangshan ZhongXue Abwechslung bieten und dabei noch einen ordentlichen Haufen europäisch/amerikanische Kultur vermitteln. Da kam uns der internationale Welttanztag gerade recht.

Die Umsetzung: Nach zahlreichen Planungstreffen stand ein Ablauf für unsere Tanzaktion fest. Daraufhin schwärmten wir aus und organisierten alles. Lautsprecherdurchsagen, Musik, Einweihen der Lehrer, Durchsagen in den Klassen.
Am Freitag um 11.50 standen wir also am Fahnenmast der Zhongxue und warteten darauf, dass der Macarena durch die Schullautsprecher abgespielt wird, während sich hunderte Schüler um uns herum sammelten. Zehn Minuten lang tanzten wir mal mehr, mal weniger mit den Schülern.
Eine Stunde Mittagspause.
Mit uns trudelten auch die ersten Schüler wieder auf dem Schulgelände ein. Um sie für unsere Tanzaktion zu sammeln, hatten wir Volkstänze rausgesucht und gelernt. Eine gute viertel Stunde tanzten wir diese einfachen, traditionellen Tänze aus Afghanistan, Slowenien und Polen. Zu Beginn waren wir 10, am Ende um die 60 Leute.
Mit den Tanzbegeisterten Schülerinnen und Schülern machten wir uns dann an klassische Standarttänze. Zuerst den Disco Fox und schließlich lernten sie auch noch den Walzer. Für die Schüler war es ein absolutes Highlight, wenn sie einen ihrer ausländischen Lehrer zum Tanz aufforderten und diese dann auch noch zusagten.
Zum Ende der Pause wurden alle Schüler in Form einer Polonaise pünktlich in ihre Klassenräume gebracht.

Die Schüler lachten ausgelassen, sprangen umher, bedanken sich bei uns für so viel Spaß. Sie zogen Fratzen für die Kamera, winkten ihre Freunde heran um mitzumachen. Sie gaben fremden Schülern die Hand, kamen aus sich heraus um andere zum Tanzen aufzufordern.

Für solche Momente sind wir hier.

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