Halloween – Jedes Jahr eine gute Gelegenheit für Kinder, haufenweise Süßigkeiten nach Hause zu schleppen oder auch für diejenigen, die aus dem Beim-Nachbarn-Klingeln-Alter raus sind, sich die ausgefallensten Verkleidungen für eine Kostümparty zu überlegen. In Deutschland ist die eigentlich ja amerikanische Festivität schon zur Selbstverständlichkeit geworden, aber kennt man „Süßes oder Saures“ auch in China? So ähnlich klang dann auch meine Frage an meine Schüler zu Beginn des Unterrichts, als es ums Thema Halloween ging.

Süßes oder Saures

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Schon mal davon gehört hatten viele, aber mehr als „irgendwas mit Candy“ wussten sie nicht wirklich. Perfekter Anlass also, um den interkulturellen Austausch zu fördern, und an den Schulen und der Universität hier in Pu’er einen westlichen Feiertag zu zelebrieren. Ohne Frage ist Süßigkeiten verteilen toll für die Schüler, aber da wir unsere Funktion als Assistenz-Englischlehrer nicht ganz außer Acht lassen durften, sollten diese im Voraus einen Halloween Spruch lernen und dann fürs Aufsagen etwas bekommen. Nun hieß es also, während der Unterrichtsstunden nicht zu vergessen, aufs kommende Halloween Event hinzuweisen und nochmal Plakate mit allen wichtigen Informationen in den Klassenräumen aufzuhängen, damit auch wirklich alle Bescheid wissen. Allerdings durfte ein kleines Showelement bei einer solchen Aktion als Auftakt auch nicht fehlen. Und was würde besser zu Halloween passen, als eine Freiwilligen-Version von Michael Jacksons ‚Thriller‘? Die Wochen vor Halloween wurden genutzt, um alles genau mit der Schule abzusprechen und dann fleißig Werbung zu machen, damit auch möglichst viele Schüler vorbeikamen. Außerdem wollten sich Kostüme ausgedacht und angefertigt, Makeup ausprobiert, Süßigkeiten gekauft und am wichtigsten natürlich der Tanz einstudiert werden (jedoch in abgewandelter Form, da uns der Gedanke, das Original zu performen, doch etwas eingeschüchtert hat). Dann war es schließlich soweit: Freitag, 28. Oktober, Abendpause an der SiZhong. Schon als wir den Platz betraten, auf dem wir tanzen wollten, wurden wir von Schülern umringt, die unsere Aufmachung bestaunten und alles mit dem Handy dokumentierten. Fast ein bisschen schwierig, sich noch von einem Platz zum anderen zu bewegen, geschweige denn zu tanzen. Aber nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, sind wir schnell zu einem freien Platz gerannt und los ging es. Die Choreografie saß nach beunruhigend wenig Üben erstaunlich gut und der Tanz kam bei den Schülern super an. Jedoch konnte er bei Weitem nicht so viel Begeisterung auslösen, wie die Entdeckung des Beutels voll Bonbons. Aus dem geplanten „Trick or Treat?“ wurde eher ein „Teacher, teacher, give me!“, doch wer fangen konnte, war klar im Vorteil. Als die fliegenden Lollis schließlich ihr Ende gefunden hatten, war aber noch lange nicht Schluss. Die Fotosession ging weiter und viele Schüler (selbst verkleidet und geschminkt) wollten ein Selfie mit uns. Zwischendurch wurde weiter getanzt zu was auch immer die Halloween-Playlist noch so hergab, wobei auch die Schülerbeteiligung nach kurzer Zeit einsetzte. Am Montag ging es weiter an der LiuZhong, an der wir beim Tanzen Unterstützung von drei Studentinnen bekamen. Zwar startete die Aktion etwas verspätet, da die Musik auf sich warten ließ, aber auch hier haben sich die Schüler über das kleine Event gefreut. Insgesamt war es bis auf die Süßigkeiten-Aktion ruhiger als beim letzten Mal, nicht zuletzt auch, weil das Handyverbot ein bisschen strenger durchgesetzt wurde und der Unterricht bald weiterging.
Halloween Event

Spürbare Dankbarkeit

Für die Schüler hieß es zurück ins Klassenzimmer und für uns zur Universität um die Ecke, denn auch dort wollten wir für die Studenten in der English Corner unsere Thriller Adaption zeigen und ein wenig Süßkram loswerden. Das lief allerdings deutlich gesitteter ab als an den Mittelschulen. Doch nicht nur wir hatten etwas vorbereitet, auch die drei Studentinnen, die zuvor mit uns an der LiuZhong gewesen waren, tanzten für ihre Kommilitonen. Der Abschluss unseres Projekts fand am Mittwoch an der ErZhong statt. Die Schüler waren genauso tanzbegeistert und Süßigkeiten-verrückt, wie an den anderen Schulen, jedoch wurde diesmal noch etwas anderes von uns gefordert: Wir sollten nicht nur Umarmungen verteilen, sondern auch Autogramme geben. Auf Armen, Schuluniformen, Notizheften oder Post-its wurden unsere Namen gesammelt, bis auch hier die Schulglocke zurück zum Unterricht rief. Insgesamt war es an allen drei Tagen, beziehungsweise vier Orten, eine super Atmosphäre und die Aktion hat nicht nur den Schülern, sondern auch uns Freiwilligen eine riesige Menge Spaß gemacht. Am Halloweenspruch-Aufsagen und damit dem pädagogisch wertvollen Teil mögen wir zwar gescheitert sein, aber ich kann nicht leugnen, dass ich trotzdem ein bisschen stolz bin, dass (fast) alles so gut funktioniert hat; besonders nachdem ein Schüler einen Tag später auf mich zukam und mir freudig die Auflistung der Freiwilligennamen auf der Innenseite seiner Uniformjacke präsentierte.
Halloween Event