Yunnan

Nujiang, wo ist das denn?

Nujiang (怒江) – der wütende Fluss – so heißt der in Deutschland unter Salween bekannte Strom, der die einjährige Heimat der Freiwilligen formte. Nujiang – so heißt auch die Präfektur im Nordwesten Yunnans, der südwestlichen Provinz Chinas, die an Tibet und Myanmar grenzt. Durch diese Lage ist sie mitten im „Goldenen Dreieck“ in dem ein großer Drogenschmuggel herrscht. Die Polizeikontrollen sind hart; vielleicht auch deshalb merkt man nichts von möglichen kriminellen Machenschaften.

Überstrahlt wird diese Angelegenheit von der Schönheit des Tales. Der reißende Fluss fraß eine riesige Schlucht in die hohen Berge – den östlichen Ausläufern des Himalayas. Von einem einheitlichen Klima kann nicht die Rede sein, obwohl von einem subtropischen Klima die Rede ist. In Liuku ist es das ganze Jahr über heiß – Schnee fällt hier nicht. Lanping dagegen befindet sich auf einer Hochebene auf etwa 2400m und ist entsprechend kalt. Und in Fugong und Gongshan scheint der Regen nicht mehr aufzuhören.

Durch diese Wettervielfalt entsteht eine Artenvielfalt, die kaum ein anderes Tal beinhaltet. Die Schönheit der Landschaft wurde auch vom Tourismus entdeckt: Bingzhongluo heißt das Öko-Tourismus-Ziel einiger Chinesen. Und eine weitere Vielfalt krönt diese Gegend. Die vielen Minderheiten, die in Yunnan angesiedelt sind, sind zumeist auch in Nujiang zu finden. Lisu, Bai, Nu, Yi, Dulong, Zang, Pumi und Naxi wären hier unter anderem zu nennen. Und das Schöne an dieser abgelegenen Gegend ist, dass diese Minderheiten ihre Tradition immer noch leben, ihre Hütten den Baustil ihrer Minderheit tragen, die Minderheiten-Kleidung auf dem Feld oder bei Festen getragen wird, bei denen getanzt und in der Minderheiten-Sprache gesungen wird. Kultur hautnah und nicht nur im Museum: Tätowierte Dulong-Frauen, von denen es nur noch etwa 20 gibt, sind eine wahre Rarität. Ihre Gesichter wurden nach der Hochzeit tätowiert, um ihre Schönheit zu nehmen, damit sie von tibetischen Prinzen und deren Truppen nicht entführt werden. Ein Foto mit einer solchen Frau ist sicherlich mehr wert als das von der chinesischen Mauer.

Diese gesamte Schönheit überschattet nur die Armut, die das abgelegene zurückgebliebene Gebiet betrifft. Ein McDonalds bleibt weit entfernt. Industrie gibt es kaum. Die Gebäudewirtschaft steigt in Liuku und Lanping an, der Rest wartet auf die Stromindustrie – mehrere Staudämme sind in Planung.

Doch im Dulongtal im Nordwesten des Nujiangs gehen die Männer noch barfuß jagen, so heißt es. Um in einen engen Pass in das abgelegene Tal zu kommen Bedarf es je nach Wetter 5 bis 9 Stunden. Ein Tunnel ist aber bereits in Bau.

Dulong-Hütten

Letztendlich kommt es auf die Regierung an, wie sie diese Region nach vorne bringen kann. Sie gab den Leuten Straßen, doch diese haben keine Autos, um sie zu befahren. Die Regierung gab den Menschen Strom, doch sie haben keine Geräte mit denen sie diesen nutzen könnten. Und die Regierung gab ihnen Wasser, aber wer weiß schon wie sauber dieses ist? Es bleibt also noch einiges zu tun und die Freiwilligen des Baumhaus-Projekts sind mittendrin.