Vor einiger Zeit waren wir von einer älteren Frau auf offener Straße auf die Bedürftigkeit der Menschen in einem Dorf aufmerksam gemacht worden, in dem vor zwei Jahren bereits Baumhaus-Freiwillige Decken und Kleidung verteilt hatten.

Am Tag der Verteilung fuhren drei Freiwillige mit einem befreundeten Übersetzer und den Kleidermassen im Schlepptau in einem Minibus zum Dorf hinauf. Die anderen Freiwilligen hatten sich schon früher zu Fuß auf den Weg nach Bai Jia Wo Cun im Bezirk La Tu Di gemacht.

Ankunft

Unter den Bewohnern waren Menschen, die keine Schuhe und lediglich verdreckte Lumpen trugen, was uns teils schockierte.

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Gottesdienst

Um 12 Uhr begann der Lisu-Gottesdienst, bei dem sich der größte Teil des Dorfes zusammenfand und auch wir waren gebetene Gäste. Während des Gottesdienstes gab es sogar etwa 10-minütigen Lisuunterricht. Das ist wirklich toll, den die meisten Leute können zwar Lisu reden, aber nicht schreiben oder lesen. Lisu hat sogar noch mehr Töne als Chinesisch, nämlich 7.

Je nach Satzzeichen, das hinter dem Wort steht, wird es anders ausgesprochen und hat dann natürlich auch eine andere Bedeutung. Es gibt zum Beispiel:ausgesprochen und hat dann natürlich auch eine andere Bedeutung. Es gibt zum Beispiel:

Lisu-Schrift

Mo

Mo.

Mo;

Mo=

Mo:

usw.

Der Pfarrer machte die verschiedenen Töne vor und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich da einen wirklichen Unterschied herausgehört hätte.

Nach dem Lisuunterricht war es dann an uns mal wieder ein kleines Ständchen zu singen.

Let it be

Obwohl wir uns das ja eigentlich hätten denken können, hatten wir nichts vorbereitet.

So stellten wir uns zu 8 auf die Bühne und gaben ein sehr schräges „Let it be“ zum Besten. Den Leuten gefiel es trotzdem und dass unser Text selber gedichtet war, da niemand von uns eine Ahnung hatte, wie das Lied wirklich geht, fiel auch überhaupt nicht auf. Nach dem Gottesdienst machten wir uns dann daran zwei Stationen aufzubauen, an denen jeweils Frauen und Männer mit Kleidung versorgt werden sollten.

Während immer zwei Leute verteilten, machten die anderen Fotos, oder zählten die mit Kleidung versorgten Leute.

Der Dorfvorsteher rief immer einen Name auf und die dementsprechende Frau kam vor und holte sich jeweils ein Ober- und ein Unterteil von uns ab.

Unsere Angst nicht genügend Kleidung zu haben stellte sich im Endeffekt zum Glück als unbegründet heraus. Wir hatten sogar noch einiges an Kleidung übrig, sodass nachdem etwa 150 Frauen sowie 100 Männer mit Kleidung versorgt waren, der Rest der Kleidung freigegeben wurde und sich die Leute darauf stürzten.

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Wenn man den Menschen eine Jacke oder eine saubere Hose in die Hand drückte, strahlten einen dankbare Augen und ein häufig nicht mehr ganz vollständiges Gebiss an. In ihrer gastfreundlichen und warmherzigen Art erhielten wir von vielen die Einladung, bei ihnen nach getaner Arbeit einzukehren. Es war allerdings schon Nachmittag und der dichte Nebeldunst der wohl bald einsetzenden Regenzeit zog bereits die Berghänge hinauf.

Wir hatten also ein ganzes Dorf mit Kleidung versorgt, die Kleidung hatte für alle gereicht und trotz unserer kleinen Panne am Anfang ist die Verteilung dann doch echt gut gelaufen. Gegen Nachmittag verabschiedeten wir uns und kletterten, begleitet von einer ganzen Meute Kinder, ins Tal zurück.

Tschüüüüüs!