Am 1. September war es endlich soweit, wir konnten unsere Streetkids einschulen.  Nachdem wir in unserer Summer School die Kinder bestmöglich auf die Schule vorbereitet haben, wollten wir sie natürlich in die Grundschule einschulen. Letztes Jahr war es sehr kompliziert die Kinder einzuschulen, da die Schulleiter die Kinder ungerne aufnehmen wollten. Sie meinten, die Kinder seien zu dreckig und unerzogen.

Doch dieses Jahr waren die Schulleiter wesentlich kooperativer. An der Grundschule in Xiao Sha Ba konnten wir dieses Jahr sieben Kinder einschulen. Einige Tage vor der Einschulung konnte man sich schon an der Schule in Klassenlisten eintragen. Also gingen wir mit den Kindern und den Eltern zu dem Termin der Einschreibung. An diesem Tag konnten wir schon 5 Kinder in die Liste eintragen, was uns, wie wir hinterher feststellten, ein Haufen Stress ersparte.

Die chinesische Einschulung ist relativ unspektakulär. Das wichtigste an diesem Tag ist, dass man die Schulgebühren zahlt. Die Kinder die schon in der Liste standen, waren schon Klassen zu geordnet. Wir schauten in welchen Klassen unsere Kinder waren und gingen zu den Klassenlehrern, wo wir die Schulgebühren zahlen mussten. Die Eltern und Kinder die nicht bei der Einschreibung vor Ort waren, konnten sich noch in die Listen einschreiben lassen, doch wenn die Liste voll war, hatte man Pech. Also wurden die Ellbogen ausgefahren damit man noch schnell sein Kind einschreiben konnte. Mit deutscher Mentalität kam man da nicht weit, also mussten wir genauso drängeln und schubsen wie die Chinesen. Da wir zu dritt waren, konnten wir uns gut aufteilen, einer von uns kümmerte sich um die 2.Klässler, einer um die 1.Klässler und einer versuchte noch die restlichen zwei Kinder einschreiben zu lassen, mit Erfolg. Hunderte von Yuan gingen durch die Finger und nach etwa zwei Stunden hatten wir 7 neue Kinder in Xiao Sha Ba eingeschult und für 15 weitere Kinder die Schulgebühren gezahlt. Die Familien und Kinder kamen zu uns mit einem strahlenden Gesicht und bedankten sich bei uns. Die Eltern waren froh, dass die Kinder nun eine Chance auf Bildung haben. Wir hatten den neuen 1.Klässlern Schultüten gebastelt und einige Geschenke hineingetan. So mache man das in Deutschland, sagten wir, am ersten Schultag bekäme jedes Kind eine Schultüte. Glücklich und zufrieden gingen die Kinder mit ihrer roten Schultüte nach Hause.

Für uns hieß es aber noch lange nicht Feierabend. Wir fuhren zu der zweiten Schule in Liuku an der wir letztes Jahr Kinder einschulen konnten. An der Schule war es sehr ungewiss, ob wir dieses Jahr Kinder einschulen konnten. Auf gut Glück fuhren wir zur Schule und nach einigen Minuten kamen auch unsere Streetkids an. Der Schulleiter sah uns, als wir mit unseren Kindern auf dem Schulhof ankamen. Wir wollten es erst nicht ganz glauben, aber er gab uns eine Chance, bzw. er gab den Kindern eine Chance. Der Schulleiter und die kleine A Za Bä gingen zusammen in sein Büro, wo sie einen kleinen Test absolvieren musste.

A Za Bä hatte den Schulleiter sehr beeindruckt, der daraufhin alle Kinder einschulte. Fünf von den sechs Kindern besuchen ab sofort die Vorschule, in welcher der Schwerpunkt auf Chinesisch liegt. Die einzigen beiden Fächer, welche die Vorschüler haben, sind Mathe und Chinesisch, was für die Kinder genau das Richtige ist, da sie momentan nur die Minderheitensprache Lisu sprechen können.

Am Abend kamen die Lehrer der Grundschule, dann bezahlten wir auch noch dort die Schulgebühren und konnten zufrieden nach Hause gehen. An diesem Tag konnten wir 13 Kinder einen Schuleinstieg ermöglichen und weiteren 20 Kindern die zweite Klasse der Grundschule bezahlen.

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