Wer glaubt, dass beim „Baumhaus-Projekt“ und den einzelnen Projekten immer alles glatt läuft, der täuscht sich.

Diese Erfahrungen durften auch wir drei Freiwillige aus Lanping, Freddy, Ninja und Leonard, am Sonntag, den 08.06. machen.

So war es eigentlich gedacht, dass wir drei zusammen mit unserem chinesischen Helfer nach Sanchongshan, einem Dorf ganz in der Nähe Jindings, fahren, um dort Erwachsenenkleidung für rund 280 Erwachsene abzugeben. Da es angeblich nicht möglich war, all die Bewohner des Dorfes kommen zu lassen, weil es sich über einen ganz Berg hinweg erstreckt, packten wir zuvor Säcke mit Kleidung, die wir dem Ortsvorsteher übergeben wollten. Zuvor hatten wir uns Gedanken dazu gemacht, wie viele Kleidungsstücke jeder bekommen könne, und wir hofften auch, dass ein paar Bewohner zum Ortsvorsteher kommen würden, damit wir ihm exemplarisch zeigen könnten, wie wir uns die Verteilung vorstellten. In unserer Vorstellung lief somit alles geordnet und gesittet ab.

Jedoch kommt es immer anders, als man denkt.

Das erste Problem, das sich auftat, war, dass der Pick-Up, den wir gemietet hatten, einen Abschnitt des Berges nicht hinaufkam. Auch das Anschieben mit Hilfe einiger Frauen des Dorfes brachte nichts. Daraufhin meinte der Ortsvorsteher, der Wagen solle umdrehen und die untere Straße nehmen, da wir dann dort verteilen könnten.

Wie? Verteilen? Das war aber eigentlich nicht so abgesprochen! Denn das war auch der Grund, weshalb wir nur zu dritt mit einem chinesischen Helfer nach Sanchongshan gefahren sind und nicht mit allen Freiwilligen. Auf der anderen Seite sind wir aber auch schon lange genug in China, um zu wissen, dass hier nicht immer alles so abläuft, wie man es sich vorstellt, sodass wir uns damit arrangierten.

Auch die Tatsache, dass wir mitten auf einer staubigen Straße verteilen sollten, war dann nicht mehr zu ändern. Wobei es schon von Vorteil gewesen wäre, die Kleider auf einem sauberen Boden auszulegen.

Jedoch stellten wir auch hier schnell fest, dass wir uns zu viele Gedanken machten.

Wieso?

Die Leute, die gekommen waren, bedienten sich einfach selbst, ohne auf uns Rücksicht zu nehmen oder auch nur auf uns zu hören. Sie zogen die Säcke vom der Ladefläche hinunter, rissen die Säcke auf und zogen die Kleidung hinaus. Gefiel ihnen das Kleidungsstück nicht, landete es eben im Staub und wurde dreckig. Fanden sie etwas, dass ihnen sauber genug war, gefiel und passte, steckten sie es ein.

Auch der Versuch, mit unserem chinesischen Helfer und dem Ortsvorsteher, der auch die Minderheitensprache sprach, Ordnung in das Chaos zu bringen, scheiterte kläglich. Und so hatten wir vor uns eine basarartige Aktion, die uns erst einmal handlungsunfähig machte. Wir waren so überrascht von dem gierigen und chaotischen Verhalten der Dorfbewohner, die die Kleidung noch nicht einmal sonderlich nötig hatten, dass wir nur bei dem Wagen stehen konnten und fassungslos die Situation beobachteten. Irgendwann entschlossen wir uns dazu, die restliche Kleidung wieder einzusammeln und auf die Ladefläche zu befördern, da alles ohne Ordnung verlief und sich die Leute auch viel zu viel nahmen, als dass letztendlich alle Bewohner etwas haben könnten. Auch dabei leisteten die Dorfbewohner erheblichen Widerstand, diskutierten mit uns und meckerten, dass wir die Kleidung einsammelten. Sie kamen sogar zurück an den Pick-Up und bedienten sich noch einmal dort. Irgendwann schafften wir es, den Ort des Chaos zu verlassen, da wir die übrige Kleidung eingesammelt hatten und die Leute gesättigt schienen.

Es war eine große Katastrophe, ein Chaos, das auch schon andere Freiwillige erlebten. Und nun waren eben wir dran.

Was nehmen wir aus dieser Verteilung, die wir enttäuscht verließen, mit?

Nichts kommt so, wie man es erwartet. Kinder sind um einiges dankbarer als Erwachsene. Und die nächste Erwachsenenverteilung wird besser und organisierter!

sanchongshan1sanchongshan1sanchongshan1sanchongshan1