„Leute, das ist jetzt kein Scherz mehr: Wir brauchen Eier, echt jetzt, macht Pfannkuchen, esst Rührei morgens, mittags, abends und friert Eierkuchenteig ein, ihr kriegt auch das Geld von der Uni wieder. Wir brauchen nicht 600, nicht 700, wir brauchen 800 ausgepustete Eier!,“ schallte es mehrmals über sämtliche Medien von Nele, ihres Zeichens Freiwillige der neunten Generation und Meisterin der Eiermobilisierung – aber warum die ganze Tortur? Und was machen elf Freiwillige aus Pu’er mit 800 Eiern?

Theorie & Praxis

Ganz einfach, wir hatten uns vorgenommen, eine Woche nach Ostersonntag ein wenig Osterfeeling an die Universität von Pu’er zu bringen – in Form der klassischen Osterrallye: Auf zehn Stationen sollte es die Klassiker, wie Sackhüpfen oder Eierlaufen und Eigenkreationen, wie Murmeln-mit-Stäbchen-Angeln geben – und auch Ostereierbemalen: Jeder Beteiligte sollte ein Ei in einer Station bemalen und am Schluss ein anderes ganz nach dem Geist des Schenkens als Preis mitnehmen. Und wir haben mit 800 Teilnehmern kalkuliert. Pro Station sollte ein Deutscher mit ein paar Studenten des English Club zusammenarbeiten und auch im Vornherein die ganze Kiste organisieren. Soweit die Theorie – was ist nun mit der Praxis?

Am besagten Sonntag versammelten sich ein Haufen mehr oder minder ausgeschlafener Deutscher mit einer Menge Chinesen, um vorzubereiten und aufzubauen – jedoch wäre es ziemlich langweilig, wenn es nicht wenigstens ein paar Problemchen gäbe, so haben wir vergessen, Räume zu reservieren, in denen auch ein paar Stationen stattfinden sollten, außerdem tauchten einige Sachen erst relativ spät auf, aber dank chinesischer Spontaneität und Improvisation, die auch ein Glück auf uns Deutsche übergegangen war, stand um neun Uhr Jeder und Jedes auf seinem Platz, die Musik wurde aufgedreht und das Verteilen und Erklären der Stempelkarten konnte losgehen, denn die Chinesen kannten anscheinend das Prinzip einer Rallye nicht, aber schon eine Viertelstunde später war an allen Stationen reger Betrieb: Enten wurden geangelt, Gegenstände in den Tiefen der Grünanlagen gesucht, wagemutig in Boxen gefasst, um den Inhalt zu erforschen, oder Osterhase und Co. zusammengepuzzelt und auch das in letzter Zeit etwas sehr aprilartige Wetter spielte mit!

Rundum gelungen

Auf diese Weise konnten wir den Studenten einen tollen Vormittag bereiten, so meinte (der übrigens nicht einmal Englisch studiert und trotzdem mit seiner Freundin gekommen ist und sich gegenseitig Eier bemalt haben) Lee, er habe selten so viel Spaß bei einer Aktion auf dem Campus gehabt, auch ein paar laotische Studenten schauten vorbei. Victor fand, er habe vorher keine Ahnung von Ostern gehabt und freue sich jetzt schon auf nächstes Jahr. Auch die Organisatoren waren zufrieden: Michael, der Chef des English Clubs lobte vor allem die gemeinschaftliche Arbeit von Deutschen und Chinesen.

Wir Deutschen waren auch mehr als zufrieden: Der Eierwahn der letzten Tage hatte sich gelohnt, alle hatten Spaß und konnten auch neue Kontakte knüpfen und jetzt freuen wir uns schon auf die Aktionen an den Schulen – dieses Mal aber ohne den Eierstress!