Minderheiten in Gongshan

In Gongshan gibt es einige Minderheiten, die es in den anderen Gebieten nicht gibt.

Dulong独龙族

Diese Minderheit ist eine der kleinsten überhaupt. Es gibt ca. 7000 Menschen in ganz China, die dieser Minderheit angehören, 4000 davon leben im Dulong-Tal in Gongshan County.

Das Bekannteste an dieser Minderheit dürften die Frauen sein, die tätowierte Gesichter haben. Weshalb ist nicht hundertprozentig geklärt, während die eine Theorie behauptet, es gelte der Verzierung behauptet eine andere, es sollte als Abschreckung feindlicher Stämme wirken.

Dulong Frau

Heute gibt es im Dulong-Tal selbst nur noch um die 20 Frauen mit eben diesen Tätowierungen. Diese sind alle schon sehr alt und runzlig, weshalb bei einigen die blaue Farbe im Gesicht nur unter genauerem Hinsehen zu erkennen ist.

Die Dulong-Sprache selbst hat kein richtiges Schriftsystem, es gab ein altes Kommunikationssystem, bei dem Kerben in Holzstücke geritzt wurden. Scheinbar soll es mittlerweile eine Art Lautschrift geben, ähnlich der, die die Lisu benutzen.

Hier einmal einige Vokabeln, aber in improvisierter Umschrift:

Hallo                                                   Nan ying gem

Wie geht es dir?                                Nan ying gem má?
Mir geht es gut                                   Nan ying gem.
Mir geht es nicht gut                          Nan ma gem.
Auf Wiedersehen                               San ying gem ma chen/dila ying gem ma chen
Danke                                                ~r~aique(n) (ein gerolltes „r“ und stummes „n“)
Prost                                                  Ngna!

1: jiemei

2: yinimei

3: sìmei

4: blimei

5: unga (wobei das „u“stumm ist)

6: gru („r“ rollen)

7: s(h)e

8: blg(h)ia (Mischung aus einem „b“, einem „g“, einem „l“ und einem „h“)

9: yiemei

10: gezel

Personalpronomen:

Ich                                                      wgó
Du                                                      nà
Er                                                       ang
Sie                                                      lngna
Es                                                       khuò
Wir                                                      yiùng
Ihr                                                        nà
Sie                                                      angyiúng

„ge“ bezeichnet eine Zugehörigkeit (meins, deins…) und wird einfach an das Personalpronomen angehängt.

Zu den Verben:
Es wird wie im Chinesischen nicht konjugiert.

Sein                                                    nèng
essen                                                 k(r)ai
trinken                                                na
sehen                                                 giàng
gehen                                                 bgì

Freund                                               lan b~r~uà

Wenn Menschen aus der Dulong-Minderheit miteinander reden klingt es meistens wie Chinesisch, dem unzählige „g“s und „b“s hinzugefügt wurden.

Die traditionellen Trachten bestehen aus bunten, gewebten Tüchern, die man sich überwirft oder um sich wickelt. Aus diesen Tüchern kann man aber auch richtige Kleidung nähen.

Nu怒族

Etwa Mitte Mai findet das große Blumenfest der Nu statt. Hierzu werden in und um Bingzhongluo sportliche Wettbewerbe wie Bogenschießen oder Staffellaufen veranstaltet, abends gibt es dann Tanz- und Gesangseinlagen von den verschiedensten Minderheiten.

Das Fest findet zu Ehren A-Rongs statt, einer jungen Frau der Nu-Minderheit. Der Sage nach, erfand sie die Seilrutschen, die von den Menschen hier genutzt werden, um über den Nujiang zu gelangen. Sie soll diese Technik an einem Spinnennetz beobachtet haben und so auf die Idee gekommen sein.

Ein Häuptling eines anderen Stammes wollte A-Rong zur Frau nehmen, diese wollte aber nicht. So kam es, dass er sie eines Tages verfolgte und sie anschließend sogar verbrannt haben soll. Die Menschen werden sie daher immer in Erinnerung behalten, sie ist damit unsterblich geworden.

Am Morgen des Blumenfestes bringen die Leute Blumen in die sogenannte Feengrotte bei Bingzhongluo (Einer anderen Version wurde A-Rong auf ihrer Flucht nämlich dort selbst zu einer Blume).

Die Sprache der Nu soll der Dulong-Sprache recht ähnlich sein und hat eben wie diese auch keine eigene Schrift.

Noch mehr Infos zur Nu-Minderheit gibt es hier:

http://traditions.cultural-china.com/en/127Traditions839.html

Tibeter (Zang) 藏族

Es gibt in Gongshan auch einige Tibeter. Deren Kultur entwickelte sich auf Grund der Abgeschiedenheit ein wenig unabhängig von der der anderen Tibeter in Yunnan. Als die Straße nach Gongshan besser ausgebaut wurde und mehr Tibeter aus anderen Regionen hier her kamen, vermischten sich diese Kulturen. Erst jetzt beginnen sie sich wieder ein wenig von einander zu differenzieren.

Die Sprache der hiesigen Tibeter gehört dem tibetischen Yunnandialekt an, obwohl die Verständigung auf Tibetisch mit Tibetern aus anderen Regionen zu funktionieren scheint.

Hier mal ein paar Wörter zum ausprobieren:

Danke                                     Chainao

Gariqi

Tudiqi

Nichts zu danken                   gága

Stimmt das?                          Arong?

Wie heißt du?                        Qi gena nia?

Ich heiße…                             Nga…nia

Wie geht es dir?                    Qi nime a hi?

Mir geht es gut.                      Nga nime hi.

Katze                                     Nia mei

Ziege                                      Rrà

Tschüss                                Man zhehou

Feuer                                     kneé

Mais                                       dàm buo

Essen                                    Sèßà

Ich bin satt.                            Nga no shi(o)

(Alkohol) trinken                    àrràtò

Prost (Alles gut)                    Tashìdéle(k)!

Hurra!                                    Ya la so!

1                                            ji

2                                            ni

3                                            song

Die tibetische Schrift ist an das Sanskrit angelehnt und sieht so aus:

Tibeter-Schrift

(Tashìdéle(k))

Die Trachten sind meistens sehr weit und bunt, oft mit viel goldenem oder silbernem Schmuck verziert, außerdem etwas (Kunst-)Pelz.

Wie fast alle Minderheiten gibt es auch hier Kreistänze. Diese sind viel schwieriger als die der Lisu, Nu oder Dulong.