Minderheiten in der inneren Mongolei

Die Innere Mongolei…klingt wie ein von der mongolischen Minderheit bevölkertes, von Jurten, langen Wintern und Schafszucht geprägtes, flaches Niemandsland, nach einem typischen Gebiet für unterdrückte Völker. Also, die langen Winter und der starke Einfluss der mongolischen Kultur sind richtig und natürlich ist die winzige Hauptstadt Hohhot mit ihren fast drei Millionen Einwohnern für chinesische Verhältnisse auch schon sehr ländlich…

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In der Provinz der – aus Pekinger Blickrichtung Anfang des 20. Jahrhunderts so benannten – Inneren Mongolei, machen Han-Chinesen etwa 80% der Bevölkerung aus, Mongolen etwa 17% und Mandschu etwa 2%. Zwischen 1449 und 1635, unter der Herrschaft der Nachfahren von Dshingis Khan (der bis heute hier verehrt wird) sahen diese Verhältnisse vermutlich noch anders aus, die Provinz, die heute ein Teil Chinas ist, war das politische Zentrum des damals mächtigen Volkes. Aber noch heute ist die Minderheit ein wichtiger Teil des diplomatisch-politischen Lebens – durch feste Quoten in der Politik werden Minderheiten im Parlament stark repräsentiert und müssen unter den Führungskräften der Regierung vertreten sein. Genauso geschützt wird hier die Sprache, die neben Chinesisch als offizielle Amtssprache gilt – die Hauptstadt Hohhot, wenn auch von einer Mehrheit von Han-Chinesen bewohnt, ist durchgängig zwei- wenn nicht sogar dreisprachig. Alle Straßenschilder sind per Gesetz nicht nur Chinesisch, sondern auch Mongolisch und meist sogar Englisch, alle Werbeplakate auch in Mongolisch lesbar und vor allem rund um die Universität, in der die Sprache und Kultur herausgestellt und gelehrt wird, sind mongolische Gespräche in der Umgebung keine Seltenheit. Allerdings lebt ein Großteil der ursprünglich mongolischen Bevölkerung in kleineren, ländlicheren Städten, wo sie zum Teil die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht und in denen kaum noch Chinesisch auf den Straßen gesprochen wird.

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Das Symbol der Provinz schlechthin ist, Klischee oder nicht, die Weite des Grasslands, die Schönheit der Steppen und Wüsten und das traditionelle nomadische Leben auf dem Land. Sogar in der Stadt wird die Kultur dieser Völker, ihre Kunst und ihr Vermächtnis immer wieder dargestellt – auf Hauswänden, in Traditionsrestaurants, im Showroom der Nei Menggu Shifan Daxue, der Universität… Für besondere Veranstaltungen, Vorstellungen der Studenten oder der University, werden in einer unscheinbaren Seitenstraße in der Nähe bunte, aufwändig genähte mongolische Kostüme abgeholt, in denen dann Frauen- oder Männergruppen die beeindruckendsten traditionellen Tänze zeigen. Die Musik dazu, man hört sie sogar von Musikern an der Straße oder im Park, kommt von wunderschönen mongolischen Flöten und einem Instrument, das aussieht, wie die direkte Mischung einer Gitarre und einer Violine und besser klingt, als beides zusammen genommen. Hotpot, Lammfleisch, traditioneller Milchtee und – in China ein Wunder – Brot und Teigrollen prägen die mongolische Küche und werden Ausländern sofort zum Probieren gegeben, hao ma?

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Hen hao, mei wenti, die Provinz ist gleichzeitig typisch Chinesisch und voller mongolischer Überraschungen. Gerade als Ausländer kann man sich darauf einstellen, dass unter den zehn Chinesen, die unbedingt ein Handy-Foto mit einem wollen, mindestens vier dabei sind, die zu der Frage direkt ein „I’m local people, I’m Mongolian People“ draufsetzten, Deutschland mit „Beeethowen“ und „good beer“ kommentieren und direkt ein paar Wörter Mongolisch weitergeben. I’m German people, I want to learn more of this country

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