Kurz vor Ende des Schuljahres war es endlich so weit, stolz hielten 15 chinesische Schülerlein Post aus Deutschland in ihren Händen – doch bis dahin war es ein weiter weg. Angefangen hatte das Projekt ungefähr 6 Wochen vor Beginn der Sommerferien, weshalb die Zeit natürlich drängte. Doch wie bekommt man chinesische Fünftklässler, die noch nie zuvor mehr als fünf zusammenhängende Sätze auf Englisch geschrieben haben, dazu einen ganzen Brief zu verfassen?

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Eine große Hilfe waren dabei vor allem die chinesischen Lehrer, von dem Vorhaben begeistert haben sie geholfen Schüler anzusprechen und geeignete Zeiten und Räumlichkeiten für Projekttreffen zu organisieren.
Ganz wichtig außerdem: eine kooperierende deutsche Schule finden! Erste Adresse bot dabei meine ehemalige Schule, das Evangelische Gymnasium in Lippstadt, die auch direkt zusagte und mit einer 5. Klasse an Bord war. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an das Engagement der deutschen Seite!
Während sich das verfassen der Briefe in der deutschen Klasse innerhalb einer Doppelstunde abhandeln ließ, schließlich sind die deutschen Schüler das freie Schreiben viel mehr gewohnt, fing ich bei meiner chinesischen Klasse ganz klein an. Thema des Briefes sollte sein: „Introduce yourself, your life and your school“. Scheint klar und simpel? Der schein trügt, denn gut die erste Woche (jede Woche trafen wir uns zwei bis drei Mal a 40 Minuten) verbrachten wir damit eine Mind Map zu erstellen, wo die Schüler alles über ihre Familie, ihre Heimatstadt, ihre Hobbies, ihre Schule etc. sammeln sollten. Diese völlig neuen Gewässer durchgequert ging es dann auch schon zu der Frage – was ist überhaupt und Brief? Wie ist ein solcher aufgebaut? (Zu Zeiten den modernen Medien ist das nämlich gar nicht so klar!). Weiterhin wurden den Schülern zahlreiche Wörter und useful phrases, die ihnen hoffentlich auch im Schulalltag weiterhelfen, mit an die Hand gegeben. Nach ca. drei Wochen ging es dann auch „schon“ ans schreiben.

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…über die Ergebnisse kann man wirklich mehr als stolz sein, ich bin der Meinung, die Schüler sind wirklich über sich selbst herausgewachsen und es ist ihnen hoffentlich bewusst geworden, wie viel sie eigentlich schon können, wenn sie nicht mal über jedes Wort nachdenken und sich dann trotzdem aus der Angst heraus etwas falsch zu machen, nichts schreiben. Das Fazit aus Jinggangshan zu diesem Projekt ist also: eine zwar aufwendige und nicht ganz einfache Angelegenheit, aber der stolze Gesichtsausdruck eines Schülers, der tatsächlich den Brief eines für sie so interessanten 外国人 (Ausländer) erhalten hat, ist wirklich mehr als unbezahlbar!

Außerdem sieht man wieder einmal: Eigentlich sind wir alle gar nicht so verschieden. Denn insgesamt unterscheiden sich vor allem die Interessen, Wünsche, Familienverhältnisse der Schüler, auch wenn sie aus so weit voneinander entfernten Ländern kommen, gar nicht so sehr voneinander.

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